Integralhelm, Modulhelm, Jethelm oder Klapphelm?

Motorrad Tuning fängt bereits auf dem Kopf an! Motorrad Helme sind während des Motorradfahrens in Europa vorgeschrieben und auch im Land von Easy Rider & Co. hat sich das wohl größte Sicherheitsplus bewährt. Viele Motorrad Onlineshops bieten eine breite Auswahl an passenden, wie weniger passenden Produkten an. Der Kopf muß geschützt werden, soviel ist klar – nur welchen Motorrad Helm braucht es, daß der Kopf so gut wie möglich geschützt werden kann? Welcher Helm bietet optimalen Schutz?

Helm beim Discounter oder oder im Fachgeschäft kaufen?

Diese Frage hängt nicht mehr nur vom Preis ab. Selbst große Motorradzubehör Shops wie Hein-Gericke, Louis oder Polo bieten ein breites Spektrum an Motorrad Helme in vielen Designs an. Der Kernpunkt beim Helmkauf sollte sein: wie stark kann der Helm einen Aufprall abfedern? Können Riemen und Riemenverschluss einem Sturz standhalten und kann der Helm durch einen Aufprall vom Kopf abgestreift werden kann? Insgesamt ist das Ergebnis der in Deutschland angebotenen Motorradhelme erfreulich. Die Normanforderungen werden von allen Helmen erfüllt – allerdings in unterschiedlichem Ausmass. So sollte beim Kauf ein Blick auf die Stoßdämpfungsprüfung (sofern vorhanden) geworfen werden. In diesem Bereich (also wo im Ernstfall der Kopf des Motorradfahrers auf den Boden aufschlägt) sind bisweilen deutliche Qualitätsunterschiede festzustellen. Da diese Tests aber meist von den Herstellern in Auftrag gegeben werden, kann aber muß das Ergebnis nicht immer objektiv sein. So gab es auch in der Vergangenheit Beispiele, wo Hersteller mit den Ergebnissen vereinzelter Helmtests nicht einverstanden waren.

Motorrad Helme mit ECE-22 – bestens geschützt?

Alle in Deutschland angebotenen Motorrad Helme müssen diese Norm erfüllen. Doch das ist nicht automatisch eine Garantie, unverletzt einen Sturz zu überstehen. Denn auch Helme, welche die Norm erfüllen, können den Kopf nicht vor schweren Verletzungen schützen. Ein Helm, der den Kopf wirklich sicher schützen würde, wäre sonst riesig und viel zu schwer. Nach dieser Norm muss jeder Helm einen Schlag so stark dämpfen, dass die Belastung für den Kopf unter dem Beschleunigungswert von 275 g liegt. Reicht das wirklich aus? Das kann klar mit einem “Nein” beantwortet werden. Ist der Kopf beim Aufprall einer solchen Beschleunigung ausgesetzt, ist mit Schädelbrüchen und schwersten Hirnverletzungen zu rechnen. Aus medizinischer Sicht wären bei ca. 100 g bereits mit einer Hirnerschütterung zu rechnen. Alles darüber wird gefährlich.

Macht es überhaupt einen Unterschied, ob ein Helm nun eine etwas bessere Stossdämpfung bietet?

100% ja! Denn je geringer die Beschleunigung für den Kopf, desto besser die Chance, ohne oder mit einer leichteren Verletzung davonzukommen. An dieser Stelle kommen wir auch zu den verschiedenen Typen von Helmen. Günstige Motorradhelme für den schmalen Geldbeutel sind heute als Integralhelm, Endurohelm (oder Crosshelm), Jethelm und auch als Alleskönner Modulhelm (Crossoverhelm) in vielen Motorradshops erhältlich.

Jethelm

Nolan N20 Jethelm - Bild (c) Nolan

Fangen wir mit Jethelmen an, die vor allem bei Rollerfahrern oder in Italien enorm beliebt sind. Dabei spalten diese die Gemüter am meisten. Denn Jet-Helme schützen – gegenüber Integralhelmen – das Gesicht nicht. Unfallanalysen aber zeigen, dass eben dieser Aufprall auf das Gesicht sehr häufig ist und fast immer zu schweren Gesichtsverletzungen führt.

Was sollte beim Kauf eines Jethelms beachtet werden?

Wie bei jedem Helmkauf, gilt auch hier: Passform! Der Helm darf weder drücken noch zu locker auf dem Kopf sitzen. Da im Gegensatz zu Integralhelmen bei dem Jethelm das Geräuschniveau weniger wichtig ist, sollte auf funktionale Details geachtet werden. Lässt sich beispielsweise das Visier leicht öffnen und schließen oder macht es einen hakeligen Eindruck? Wer ohne Visier unterwegs ist sollte (falls vorhanden) seine Motorradbrille mitnehmen um die Passform zu überprüfen. Ansonsten kann nur gesagt werden, daß das potenzielle Risiko bei einem Jethelm deutlich größer ist. Nicht nur im schlimmsten Falle bei einem Sturz, auch Steinchen oder Insekten haben durch die Wucht Ihres Aufpralls schon für Verletzungen gesorgt – oder durch den Schock zu einem Unfall.

Integralhelm

Nolan N 85 Integralhelm - Bild (c) Nolan

Wer den Kauf eines Integralhelm beabsichtigt, sollte neben der Sicherheit auch Optik- und Komfortaspekte nicht vernachlässigen. Sein größtes Plus hat dieser Helmtyp durch den deutlich besseren Schutz des Gesichtes, sowie seinen Wetterschutz. Für regelmäßige Fahrten auf der Autobahn gilt zudem ein wichtiges Kaufkriterium: auch deutlich oberhalb der Autobahn-Richtgeschwindigkeit sollte der Helm nicht zu stark lärmen. An dieser Stelle trennen sich meist günstige Motorradhelme von denen der gehobenen Klasse. Verständlich, keiner wird erwarten, daß ein 50 Euro Helm bei der Entwicklung ebenso auf sein Geräuschniveau optimiert wird. Sportfahrer sollten zudem darauf achten, daß der Helm ruhig im Luftstrom gehalten werden kann. Leider bieten nur wenige Händler die Möglichkeit zur Probefahrt an. Einige größere der Branche bieten einen Windkanal an, den auch Kunden nutzen können – auf längere Sicht gesehen lohnt dieser Weg! Entscheidet nicht allein die Optik, sind bei dem Kauf Passform, Trageverhalten und Visierqualität die wichtigsten Kaufmerkmale. Neben der für heute selbstverständlichen Helmnorm Helmnorm ECE-R 22.05 sollte der Kunde auch auf den Onlineshop achten. Was viele nicht wissen ist die Tatsache, daß z.B. Nolan die 5-Jahresgarantie einschränkt, wenn der Helm nicht aus von Ihnen geforderten Quellen (Händlern) stammt.

Im großen Helmtest der Zeitschrift MOTORRAD (zum Test) überzeugten die beiden HJC-Modelle HJC FG-15 4 und HJC IS-16 zusammen mit dem Nolan N 85. Shark, Marushin und Nexo folgten mit klarem Abstand und stellten das gute, ebenfalls kaufwürdige Mittelfeld dar.

Klapphelm

Nolan N103 Klapphelm - Bild (c) Nolan

Ein Kriterium für einen guten Klapphelm ist leider immer noch der Preis. Technik und Anforderungen sind hoch und distanzieren so die Angebote vom Discounter um die Ecke deutlich von denen bekannter Hersteller. Man kann kaum für 150 Euro einen ordentlichen Klapphelm bekommen, für dieses Geld aber einen schon recht ordentlichen Integralhelm. Die meisten Helme, bei denen nach einem Unfall die Klappe sicherheitsgefährdend (= hat nicht gehalten) oder funktionsgefährdend (= der Retter kann die Klappe nicht mehr öffnen) beschädigt wurde, stammen aus der unteren und der mittleren Preisgruppe. Vor allem gute, einfach zu öffnende Klapphelme welche den schnellen Zugang zum Gesicht ermöglichen sind für die Erste Hilfe vor Ort von großen Vorteil, um im Falle von einer Atemwegblockierung schnell reagieren zu können.

Worauf sollte man beim Kauf eines Klapphelm unbedingt achten?

  • Der Schließmechanismus sollte aus Metall bestehen, sowohl an der Klappe als auch an der Gegenseite am Helm.
  • Die Öffnungstaste sollte in die Mitte außen am Kinnbügel! Nicht links oder rechts, oben oder unten!
  • Die Taste darf nicht verdeckt sein (z. B. innen im Kinnbügel), da Ersthelfer diese sonst nicht sofort finden können.
  • Die Taste darf nicht hervorstehen, da sich bei einem Überschlag der Helm sonst leicht öffnen und mit der Hebelwirkung des Kinnteils das Genick brechen kann.
  • Beim aufklappen des Kinnteils sollte das Visier ohne weiteren Benutzereinfluss selbstständig gegen den Kinnbügel schließen, da sonst schon bei niedrigen Geschwindigkeiten eine Segelwirkung ensteht, die den Kopf nach hinten reißen kann.

Modulhelm / Crossoverhelm

X-Lite X-402 GT Modulhelm - Bild (c) X-Lite

Das Beste aus zwei Welten wollen Modulhelme ermöglichen und mimen somit den Alleskönner. Ob als Jethelm in der Stadt oder als Integralhelm auf Urlaubstour – dieser Typ will in allen Einsatzbereichen punkten. Der Modulhelm bietet auch gleich den größten Vorteil, gegenüber “normalen” Jethelmen: mehr Sicherheit dank des Kinnbügels! Den Begriff “Modulhelm” prägt dabei vor allem der Hersteller Nolan mit dem Ende 2010 präsentierten X-Lite X-402GT.

Bei dem ADAC Helmtest 2011 konnte der X-402 GT unter zehn Vergleichshelmen den Spitzenplatz erzielen. Auf dem Prüfstand standen dabei: Modulare Helme, die als Vollvisier- und Jethelm genutzt werden können und dementsprechend eine „P“- und „J“-Zulassung besitzen. Für diese Spezies gelten somit die Anforderungen, welche auch bereits an Integralhelme und Jethelme gestellt werden: nicht das billigste Modell kaufen!

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